Flachdach unter einer Terrasse abdichten – ohne vollständigen Abriss der bestehenden Abdichtung
Diese genutzte Terrasse befindet sich über Wohnräumen und übernimmt gleichzeitig die Funktion einer Dachfläche.
Nachdem im darunterliegenden Innenraum Feuchtigkeit festgestellt wurde, konnte die Schadstelle gezielt lokalisiert werden. Für die Instandsetzung musste der bestehende Dachaufbau nicht vollständig zurückgebaut werden.
Der betroffene Bereich wurde lokal geöffnet und die vorhandene Bitumenabdichtung mit Flüssigabdichtung und SA Baustoffe Polyestervlies 110 g/m² als Armierung instand gesetzt.
Ausgangssituation
Bei diesem Objekt handelt es sich um eine genutzte Terrasse über Wohnräumen, die gleichzeitig Teil des darunterliegenden Dachaufbaus ist.
Über der bestehenden Bitumenabdichtung befanden sich eine Kiesschicht und Betonplatten als begehbarer Terrassenbelag.
Im darunterliegenden Raum traten lokal Feuchtigkeitserscheinungen an Decke und Wand auf. Da sich die sichtbare Schadstelle im Innenraum nicht zwangsläufig direkt unter der tatsächlichen Eintrittsstelle des Wassers befindet, musste der betroffene Dachbereich zunächst gezielt untersucht werden.
Dazu wurden in einem begrenzten Bereich die Betonplatten aufgenommen und der Kies entfernt.
Nach dem Öffnen des Aufbaus zeigten sich mehrere mögliche Schwachstellen:
- beschädigte Anschlussbereiche an der Attika
- feine Risse in der vorhandenen Bitumenabdichtung
- lokal beanspruchte Übergangsbereiche
Da nicht eindeutig bekannt war, wie der bestehende Dachaufbau im Detail ausgeführt worden war, sollte ein vollständiger Rückbau möglichst vermieden werden.
Ziel war deshalb eine lokale Instandsetzung der beschädigten Abdichtungsbereiche, während der überwiegende Teil des vorhandenen Dachaufbaus erhalten blieb.
Schadensanalyse und Entscheidungsfindung
Nach der Freilegung des betroffenen Bereichs konnten die relevanten Schadstellen gezielt lokalisiert werden.
Betroffen waren insbesondere der Anschlussbereich der Abdichtung an die Attika sowie mehrere feine Risse innerhalb der vorhandenen Bitumenabdichtung.
Für die Instandsetzung kamen grundsätzlich zwei Vorgehensweisen infrage:
Variante 1 – Rückbau und Neuaufbau mit Bitumenbahnen
Eine Möglichkeit wäre gewesen, die vorhandene Abdichtung im betroffenen Bereich vollständig zurückzubauen und anschließend neu mit Bitumenbahnen aufzubauen.
Da der genaue Aufbau und die Anzahl der vorhandenen Abdichtungslagen nicht eindeutig bekannt waren, hätte diese Variante einen deutlich größeren Eingriff in den bestehenden Dachaufbau bedeutet.
Variante 2 – Lokale Instandsetzung mit Flüssigabdichtung und Polyestervlies
Gewählt wurde eine gezielte Instandsetzung der beschädigten Bereiche mit Flüssigabdichtung und Polyestervlies 110 g/m² als Armierung.
Dadurch konnten die freigelegten Risse und Anschlussbereiche in den neuen Abdichtungsaufbau eingebunden werden, ohne den gesamten vorhandenen Dachaufbau zurückzubauen.
Diese Vorgehensweise begrenzte den Eingriff auf den tatsächlich betroffenen Bereich und ermöglichte den weitgehenden Erhalt des bestehenden Aufbaus.
Warum Polyestervlies 110 g/m² als Armierung eingesetzt wurde
Bei diesem Projekt sollte die Flüssigabdichtung im Bereich der vorhandenen Risse und Anschlüsse zusätzlich armiert werden.
Das Polyestervlies 110 g/m² wurde als Armierungseinlage in die frische Flüssigabdichtung eingebettet und unterstützt dort die Spannungsverteilung und Rissüberbrückung innerhalb des Abdichtungssystems.
Die Abdichtungsebene selbst liegt bei diesem Aufbau unter Kies und Terrassenplatten und wird nicht direkt als begehbare Nutzfläche beansprucht.
Für die hier ausgeführte lokale Instandsetzung wurde deshalb Polyestervlies 110 g/m² eingesetzt. Eine stärkere 120-g/m²-Ausführung war für die gewählte Ausführung nicht vorgesehen.
Das verwendete Polyestervlies wurde hinsichtlich seiner mechanischen Eigenschaften unabhängig geprüft. Für das Material liegen Prüfwerte nach DIN EN ISO 10319 vor.
Beim Polyestervlies 110 g/m² wurden unter anderem folgende Werte ermittelt:
- Zugkraft längs: 152 N/50 mm
- Zugkraft quer: 110 N/50 mm
- Dehnung bei Höchstzugkraft: 52,5 % längs / 79,2 % quer
Diese Eigenschaften unterstützen den Einsatz des Vlieses als Armierung in geeigneten Flüssigabdichtungssystemen.
Schritt-für-Schritt Umsetzung
Schritt 1 – Schadbereich freilegen und vorbereiten
Zur Lokalisierung der Undichtigkeit wurde der betroffene Bereich der Terrasse gezielt geöffnet.
Dazu wurden die Betonplatten aufgenommen und die darunterliegende Kiesschicht entfernt, um Zugang zur bestehenden Bitumenabdichtung zu erhalten.
Nach der Freilegung zeigten sich beschädigte Bereiche am Anschluss zur Attika sowie feine Risse in der vorhandenen Bitumenabdichtung.
Vor Beginn der Abdichtungsarbeiten wurde die Oberfläche gründlich gereinigt und entsprechend den Anforderungen des verwendeten Abdichtungssystems vorbereitet.
Schritt 2 – Erste Lage Flüssigabdichtung auftragen
Auf die vorbereitete Abdichtungsfläche wurde die erste Lage Flüssigabdichtung aufgetragen.
Sie bildet die Einbettungsschicht für die nachfolgende Polyestervlies-Armierung und wird so aufgebracht, dass das Vlies anschließend vollständig in die noch frische Abdichtung eingelegt werden kann.
Auftragsmenge und Verarbeitung richten sich nach den Vorgaben des verwendeten Abdichtungssystems.
Schritt 3 – Polyestervlies 110 g/m² als Armierung einbetten
In die noch frische erste Abdichtungslage wurde Polyestervlies 110 g/m² eingebettet.
Das Vlies wurde sorgfältig an die vorhandenen Risse und den Anschlussbereich der Attika angepasst und vollständig mit Abdichtungsmaterial benetzt.
Als Armierung unterstützt das Polyestervlies die Spannungsverteilung und Rissüberbrückung innerhalb des Abdichtungssystems.
Falten, Luftblasen und trockene Vliesbereiche sollten bei der Verarbeitung vermieden werden.
Schritt 4 – Weitere Flüssigabdichtung auftragen
Nach dem für das verwendete System vorgesehenen Überarbeitungsintervall wurde die weitere Flüssigabdichtung aufgetragen.
Das eingebettete Polyestervlies wurde dabei vollständig mit Abdichtungsmaterial überarbeitet und in den neuen Abdichtungsaufbau eingebunden.
So entsteht eine durchgehende, vliesarmierte Flüssigabdichtung im sanierten Bereich.
Schritt 5 – Terrassenaufbau wiederherstellen
Nach ausreichender Aushärtung der Flüssigabdichtung wurde der ursprüngliche Terrassenaufbau wiederhergestellt.
Zum Schutz der sanierten Abdichtungsfläche vor der mechanischen Beanspruchung durch Kies und Betonplatten wurde zunächst eine geeignete Schutzlage verlegt.
Anschließend wurde die Kiesschicht wieder eingebracht und die Betonplatten wurden erneut verlegt.
Nach Abschluss der Arbeiten konnte die Terrasse wieder als Nutzfläche verwendet werden, während die sanierte Abdichtung geschützt unter dem Terrassenaufbau liegt.
Fazit aus dem Projekt
Durch die gezielte Instandsetzung mit Flüssigabdichtung und SA Baustoffe Polyestervlies 110 g/m² konnte der beschädigte Bereich saniert werden, ohne den gesamten Dachaufbau zurückzubauen.
Die vorhandene Bitumenabdichtung blieb dabei weitgehend erhalten, während Risse und kritische Anschlussbereiche lokal armiert und in den neuen Abdichtungsaufbau eingebunden wurden.
Diese Vorgehensweise eignet sich besonders für lokal begrenzte Sanierungsbereiche, wenn der bestehende Untergrund tragfähig und für das verwendete Abdichtungssystem geeignet ist.
